Reformen des Glücksspielstaatsvertrags und die jüngsten Gerichtsentscheidungen gegen die GGL
Otto Walter · Sep 8, 2026

Reformen des Glücksspielstaatsvertrags und die jüngsten Gerichtsentscheidungen gegen die GGL

Die Bundesländer haben im September 2026 die Ratifizierung von Änderungen am Glücksspielstaatsvertrag abgeschlossen, wodurch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder erweiterte Kompetenzen für die Sperrung von IP-Adressen und Suchergebnissen bei illegalen Glücksspielangeboten erhält, während gleichzeitig Gerichte in zwei Entscheidungen vom 6. und 24. August 2026 die GGL in zentralen Punkten zurückgewiesen haben.
Erweiterte Befugnisse der GGL durch die Vertragsreform
Die neuen Regelungen zielen darauf ab, die Durchsetzung von Sperrmaßnahmen gegen nicht lizenzierte Anbieter zu stärken, indem die Behörde direkter auf Netzsperren zugreifen kann und Suchmaschinenbetreiber stärker einbinden darf, wobei die Länder diese Schritte als notwendige Anpassung an die aktuelle Marktsituation beschreiben und gleichzeitig die bestehenden Strukturen des GlüStV weiterentwickeln.
Gerichtliche Rückschläge im August 2026
Die Verwaltungsgerichte haben in den Verfahren mit den Aktenzeichen 7 B 491/25 HAL, 7 B 492/25 HAL und 7 B 62/26 HAL entschieden, dass der GGL ein strukturelles Vollzugsdefizit vorzuwerfen ist, das gegen EU-Recht verstößt und den Spielerschutz untergräbt, während die Richter die Erhöhung des maximalen Einsatzes pro Spiel von einem Euro auf bis zu fünf Euro zum 1. Juli 2026 ausdrücklich kritisiert haben.
Die Entscheidungen stellen fest, dass die Behörde ihre Aufgaben nicht ausreichend wahrnehmen kann, weil die personellen und organisatorischen Ressourcen fehlen und die rechtlichen Grundlagen für eine effektive Kontrolle nicht gegeben sind, was zu einer faktischen Durchsetzungsschwäche führt und gleichzeitig die Vorgaben der EU-Dienstleistungsrichtlinie verletzt.

Auswirkungen auf die aktuelle Regulierungspraxis
Die Urteile haben unmittelbare Folgen für laufende Sperrverfahren, weil die GGL ihre Anordnungen derzeit nur eingeschränkt durchsetzen kann und mehrere Anbieter von der Blockade ausgenommen bleiben, während die Länder nun prüfen, wie sie die Reformen anpassen müssen, um die gerichtlichen Vorgaben zu erfüllen und gleichzeitig die Ziele des Staatsvertrags nicht aufzugeben.
Beobachter verweisen darauf, dass die Erhöhung der Einsatzgrenzen auf fünf Euro nicht isoliert betrachtet werden darf, sondern Teil einer breiteren Entwicklung ist, bei der die Behörde versucht, den legalen Markt attraktiver zu gestalten und gleichzeitig illegale Angebote einzudämmen, was jedoch durch die festgestellten Vollzugsdefizite erschwert wird.
Reaktionen der Bundesländer und weitere Schritte
Die Ministerien der Länder haben angekündigt, die Urteile sorgfältig zu analysieren und mögliche Rechtsmittel oder gesetzliche Nachbesserungen zu prüfen, wobei sie betonen, dass die Ratifizierung der Reformen unabhängig von den einzelnen Gerichtsverfahren fortgesetzt wurde und die erweiterten Befugnisse der GGL weiterhin als notwendig angesehen werden.
Conclusion
Die Kombination aus ratifizierten Reformen und gleichzeitigen gerichtlichen Einschränkungen zeigt, dass die Umsetzung des Glücksspielstaatsvertrags im September 2026 vor erheblichen rechtlichen und praktischen Herausforderungen steht, während die genannten Aktenzeichen und die Kritik an der Einsatzerhöhung die zukünftige Ausrichtung der Aufsicht weiter bestimmen werden. Weitere Details zu den Gerichtsentscheidungen sind in öffentlich zugänglichen Berichten dokumentiert.